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aktualisiert am 01.08.2005/KE

Glaubensfehde und Verteibung

 

Aus der Zeit der Protestantenvertreibung

(Zusammenstellung von Waldemar Mooslechner, Salzburg)

 

Schmied von Hüttau und 33 Führer verhaftet, schlägt Erzbischof Firmian zurück?

 

Schwarzach, 28.09.1731

 

Was schon viele im gesamten Pongau befürchtet haben, ist nun eingetreten: die seit Wochen im Gebirge stationierten kaiserlichen Truppen haben zugeschlagen. Rupert Stulebner, der Schmied von Hüttau und weitere 33 Führer, unter ihnen Rupert Mooslechner aus Hüttschlag, sind verhaftet und wohlverschlossen und mit verbundenem Maul nach Salzburg gebracht worden, wo sie in der Festung eingekerkert worden sind.

 

  

 

Der Kaiser selbst hat sich für eine Freilassung eingesetzt, da ihnen keine Vorbereitung eines Aufstandes nachgewiesen werden kann. Auch ein Papstschreiben ist eingetroffen, darin heißt es, der evangelischen Bewegung sei ein Ende zu bereiten, man möge die Utertanen mit Hilfe von Kapuzinern bekehren, Gewaltanendung sei aber hintanzustellen.

 

Die Rache des Erzbischofs das Emigrationspatent ist erschienen

 

Bischofshofen, 12.11.1731

 

Wie es hinter vorgehaltener Hand aus klerikalen Kreisen schon lange angedeutet und von städtischen Beobachtern noch länger vorausgesagt worden ist, ist eingetreten.
Gestern hat das EB.Palais das Emigrationspatent veröffentlicht. Der Schock darüber hat unser Land wie eine Erdbebenwelle überrollt. Mit Zorn und Wut haben die Lutherischen die eingängliche Formulierung vernommen, wo es u.a. heißt:
Trotz des ebenso lieb- und mildreichen als väterlichen Verhaltens des Erzbischofs seien die Catholischen mit Feuer und Schwert bedroht, geistliche und weltliche Obrigkeit, ja sogar der Erzbischof, beschimpft worden. Deshalb seien diese Büsewichter, diese Abtrünnigen und rebellischen Untertanen mit aller längst wohlverdienten Schärfe anzusehen. Diese unruhigen, aufrührerischen und widersässigen Leut seien nunmehro gäntzlich von der Wurzel auß zu vertilgen.

 

Beobachter in Hüttau, Radstadt und Gastein meinen, so dramatisch werde die Strafe aus Salzburg wohl nicht ausfallen. Aus Salzburg sei aber berichtet worden, der Erzbischof werde schnell ein furchtbares Exempel statuieren.

 

Nackt und bloss in die kalte Wintersnacht

 

St. Johann, 04.12.1731

 

Schlimmer als man es sich vorstellen konnte, ist die Rache des Erzbischofs an seinen lutheranischen Untertanen ausgefallen.

Erst jetzt wurden weitere Details aus dem Emigrationspatent bekannt, so heißt es da:

 

„Wer evangelisch sei, müsse emigrieren und bey Vermeydung schwärer an Gut und Leben gehender Straff fürdershin dieses Ertzstift und die dazugehörenden Lande meyden.“ Und dann heißt es: „Innerhalb von 8 Tagen mit hindan tragenden Sack und Pack abziehen.“ Der Pfleger von Gastein frug an, ob das Patent in dieser Jahreszeit wirklich durchgeführt werden soll, erhielt umgehend den Befehl:
Es müsse vollzogen werden, es gehe, wie es wolle, leide daran, wer leiden kann, keine Gnade, keine Milde!

 

4000 Untertanen sind betroffen, u.a. Rupert Mooslechner, Lehnbauer z`Hüttschlag. Unsere Mitarbeiterin traf ihn am Sammelplatz in St, Johann, am Ufer der Salzach, knapp bevor die Lutherischen die Schiffe nach Tittmoning besteigen mussten:
„Aussi hamma gmuaßt i, Soidatn san kemma, homm mit eane Gwea umadumgfuchtlt, aussa, du Lutheraner homms plärrt, ois hob i dolossen miassn, ohne Göd, ohne Reisevapflegung. Koa wrms Kleidungsstücki homma eipockn deafn, Frau, Kinda, ois duaft ned mit.“

 

Weihnachtsdrama in der Salzach im offenen Kahn nach Bayern abgeschoben

 

 

Tittmoning, 15.12.1731

 

Das sind die ersten Bilder, die der königlich bayerische Pressedienst veröffentlicht hat. Sie zeigen die lutheranischen Untertanen, die aus dem Pongau trotz widrigster Witterung, jetzt, so knapp vor dem Weihnachtsfest, abgeschoben worden sind. Das Militär hat die bedauernswerten Geschöpfe bis zur Bayerischen Grenze begleitet. Einer der Vertriebenen, ein gewisser Herr Rupert Mooslech-ner aus Hüttschlag im Pongau, hat dem kbP mitgeteilt, dass die Ausgestoßenen nach Ulm, Augsburg und Tübingen gebracht und dort angesiedelt werden sollen.

 

 

© 2005 Karl-Heinz Engelke