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aktualisiert am 04.03.2006/KE

Kirchbrak



Die Geschichte von Kirchbrak



Wer von Bodenwerder oder von Eschershausen kommend die Bundesstraße 240 verläßt und der Kreisstraße in das Lennetal folgt, erreicht nach wenigen Kilometern Kirchbrak.

Das Tal wird auf der nordöstlichen Seite von Muschelkalkrücken und auf der anderen Seite vom Buntsandstein des Voglers begrenzt.. Schon von weitem erkennt man die alte Dorfkirche. Ihr verdankt der Ort die erste Hälfte seines Namens, der aber erst Ende des 14. Jahrhunderts zur Unterscheidung von den anderen „Brak“ gebräuchlich wird. Die Endung „brak“ (Holz, Wald) deutet auf eine Waldrodung hin. In vorchristlicher Zeit gehörte Kirchbrak zum Gau Thilithi, nach der Christianisierung zum Bann Ohsen des Bistums Minden.


„Bracha“ in den ersten urkundlichen Erwähnungen



Im Gegensatz zum benachbarten Westerbrak sind die ältesten Nennungen Kirchbraks nicht eindeutig erwiesen. Da aber zu vermuten ist, daß sie zutreffend sind, sollen sie angeführt werden. In einer Urkunde des Klosters Fulda (Staatsarchiv Marburg) aus der Zeit um 800 heißt es „in villa fologeres brache“. Da zugleich „Hagen“ (Heyen), „Linese“ (Linse) und „Ducfelden“ (Tuchtfeld), alles Orte in unmittelbarer Nähe, genannt sind, kann man vermuten, daß mit „fologeres brache“ Kirchbrak gemeint ist. 1029 taucht in einer Besitzbestätigung des Kaisers Konrad II. (Staatsarchiv Münster) für das Martinsstift in Minden „in villis vero bracha“ auf.

Die ersten gesicherten Urkunden



Im Jahre 1194 wird „Brach“ als Ausfertigungsort einer Besitzbestätigung für das Kloster Amelungsborn genannt (Janicke, Urk,-Buch des Urstiftes Hildesheim, Nr.57). Zeugen sind Theodoricus de Brach und Richardus de Didilmissen (Dielmissen, Nachbarort von Kirchbrak). 1265 war die „villicatio in Brac“ im Pfandbesitz der Grafen von Everstein. Im 14. Jahrhundert werden dann die urkundlichen Erwähnungen häufiger.

Ein nach „Brak“ benanntes Rittergeschlecht, die Herren von Brak, haben 1304 bis 1321 eine Mühle (Obere Mühle) und eine Hufe Land vom Mindener Bischof als Lehen (Sudendorf, Teil 6, Nr.109). Später sind diese Lehen in den Besitz der Herren von Halle übergegangen, denn 1318 verkaufte der Bischof von Minden die „villicatio in brach“ für 160 Mark Bremischen Silbers an Heinrich von Halle (Halle, Nachbarort von Kirchbrak), (Würdtwein, Nova Subsidia, Tom. XI, Seite 110).

In den Jahren 1321 bis 1330 regeln drei Verträge die „Holtzordnung zu Brak“ (Archiv des Oberlandesgerichts Celle, Coipialbuch des Stifts Hastenbeck). Darin vergleichen sich die Grafen von Homburg, die Ritter von Halle, Herr Ernst Hake (Buchhagen) und die Gemeinde Brak um die gemeinsame Holzmark, regeln die Nutzung und setzen drei mal im Jahr ein Holzgericht an. Mit der Holzmark zu Brak sind die Waldungen des Voglers gemeint.

Die „overe molen in Kerkbrak“ (Obere Mühle) wird noch einmal um 1350 um Eversteinischen Lehnsregister verzeichnet. 1388 führt ein Homburger Lehnsregister (Staatsarchiv Wolfenbüttel) eine Hufe Land und drei Kothöfe auf, die die Herren von Halle als Lehen haben.

Die Stiftung des Paulusaltars



Aufschlußreich ist eine Urkunde aus dem Jahre 1397, die die Stiftung eines Altars in der Kirche zu „Brack“ zum Inhalt hat (Würdtwein, Nova Subsidia, Tom. XI, Seite 317).

Die Herren von Halle stiften einen Altar mit den dazugehörigen Pfründen, den Steinwichtenhof in Kirchbrak und 40 Mark Peinische Denare. Die Stiftung eines solchen Nebenaltars geschah in diesen Zeiten häufig und entsprach dem Bedürfnis ihrer Stifter, „für das Heil ihrer und ihrer Eltern heilsam Sorge zu tragen“. Die Rechte des Ortsgeistlichen blieben von der „fundatio up den Altar“ unberührt.Das Präsentationsrecht hatten die Herren von Halle, während der Bischof von Minden die Investitur vornahm. In dieser Stiftung wird erstmalig ein Pfarrherr in Kirchbrak, Heinrich Egelmer, namentlich aufgeführt. Ebenfalls der Vikar Dietrich Reynemann, der mit dem Dienst am neugestifteten Paulusaltar beauftragt wude.

Die Herren von Grone als Lehnsträger in Kirchbrak



Anfang des 15. Jahrhunderts gehen die Grafschaft Everstein (1408) und die Herrschaft Homburg (1409) in dem Machtbereich des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg auf. Kirchbrak ist offensichtlich in dieser Zeit Sitz einer Gerichtsstätte gewesen, denn in einigen Urkunden wird die „Richte tho Kerckbrack“, das „Ampt tho Kerckbrak“ und der „Tyg (Thie) tho Brake“ erwähnt. Zwei weitere Vikare des Paulusaltars werden 1417 namentlich bezeugt: Dethard von Honhorst und Ludolf Bok (Calenberger Urk.-Buch, Bd. 9, Nr. 232). Mit einer wichtigen Urkunde aus dem Jahre 1468 beginnt dann für Kirchbrak ein Zeitabschnitt, der das Gesicht und auch den Charakter dieses Ortes für die folgenden Jahrhunderte prägen sollte. In dem Lehnsbrief, ausgestellt von dem Grafen von Spiegelberg, werden der „Othberg“, die „Obere Straße“ und die „Obere Mühle“ in dem „Dorpe Brake“ genannt. Schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts waren die Herren von Grone bereits die Grundherren aller Höfe in Kirchbrak (nach Steinacker, Bau- und Kunstdenkm. v. Kleinau, Gesch. Ortsverzeichnis).

Als Hägerjunker (siehe Westerbrak) übten sie auch die Hägergerichtsbarkeit aus. So wurde ihnen 1529 von Herzog Heinrich bestätigt. Sie betraf die „Brüche“ (Vergehen), die „Blutrunste“ und die Dumbschläge“, die auf ihrem beackerten Land und ihren umzäunten Höfen geschahen. So wurde Kirchbrak zu einem „Junkerdorfe“.

Der ursprüngliche Hof der von Grones ist die heutige Grünanlage, unmittelbar südwestlich der Kirche gelegen. Er wurde später der Oberhof genannt, als durch Erbteilung noch der Niedere Hof nördlich der Kirche und der Gutshof in Westerbrak entstand. Er war von 1726 - 1813 im Besitz der Herren von Hake, Buchhagen (siehe Buchhagen).

1813 kaufte der Besitzer des Unteren Hofes in Kirchbrak das Gut mit Ausnahme der Forsten im Vogler zurück. 1960 ging dann das Grundstück Oberer Hof, die heutige groß Grünfläche an der Kirche, in den Besitz der Gemeinde über und bildet nun das Schmuckstück des Dorfes.

Heute noch, nach über 500 Jahren, ist die Familie von Grone in zwei Linien vertreten: eine in Heinrichshagen, nachdem der Niedere Hof 1963 verkauft wurde und die andere in Westerbrak. Seit Ende des 15. Jahrhunderts übt die Familie von Grone das Patronatsrecht (Präsentation der Pfarrer) aus. Dabei wechseln sich heute beide Linien in ihrem Vorschlagsrecht ab.

Die Kirche und ihre Pfarrherren



Die Kirche weist in ihren älteren Bauteilen, den Teilungssäulen der Kirchturmfenster, auf eine Entstehung um das Jahr 1000 hin. Als Schutzpatron ist seit der Reformation der Erzengel Michael nachweisbar. Wie im vorigen Kapitel bereits ausgeführt worden ist, steht das Gotteshaus unter dem Patronat der Familie von Grone. Das Äußere der Kirche, und teilweise auch die Turmkonstruktion , weist noch romanischen Charakter auf. Die gotische Einwölbung der Decke erfolgte, nachdem die ursprüngliche Flachdecke durch unbekannte Ursachen zerstört worden war. Die Ostwand des Chores ist mit Fresken eines unbekannten Künstlers anfangs des !3: Jahrhunderts ausgemalt. Die Fresken waren durch Jahrhunderte mehrfach übermalt worden und wurden erst 1959 bei einer Restauration wiederentdeckt und bis 1966 vollständig freigelegt. Die linke Gruppe stellt die Kreuzabnahme dar, die rechte - nur teilweise erhalten - die drei Frauen am Grabe, und die mittlere Gruppe läßt nur noch erkennen, daß es sich hier um eine Darstellung der Himmelfahrt Christi handelt. Die beiden letzteren Fresken sind durch den Einbau von Fenstern und Grabplatten größtenteils zerstört worden. Der farbenprächtige barocke Kanzelaltar, einer der ältesten im niedersächsischen Raum, weist mit seinen 48 Wappendarstellungen und zwei Altarbildern auf die Ahnenreihe der Patronatsfamilien von Grone hin. An den Seitenwänden des Chores wurden nach der Reformation einige Grabplatten der Familie von Grone eingebaut. Eine Inschrift an der Orgel im Westteil besagt, daß sie 1733 von August Ernst Carl von Grone (Westerbrak) gestiftet wurde. Der Turm mit seinem engen Eingang und der schmalen, steilen Treppe durch das Innere einer meterdicken Mauer, diente in Kriegszeiten als letzte Zuflucht. Der erste protestantische Pastor war Caspar Hasenjäger, der über 30 Jahre als Seelenhirte über seine Schäflein wachte. Die Reformation wurde endgültig 1568 mit dem Regierungsantritt des Herzogs Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel eingeführt.

Zum Kirchspiel Kirchbrak gehören seit je her noch die Gemeinden Westerbrak, Buchhagen, Breitenkamp und Heinrichshagen. Die Kirchenbücher sind ab 1641 erhalten, die Kirchenrechnungen ab dem Jahre 1600. Sie befinden sich im Original im Pfarrarchiv Kirchbrak. Die Eintragungen des 18. Jahrhunderts sind im Gegensatz zu den anderen oft ausführlich und geben interessante Einzelheiten wieder. Das Pfarrarchiv der Nachbargemeinde Halle bietet ebenfalls Quellenmaterial des 16. Und 17. Jahrhunderts zur Geschichte des Kirchspiels Kirchbrak an. Halle war damals Sitz des Superintendenten.

Die Erbregister des Herzoglichen Amts Wickensen

(Betr. Erbregister und Häger siehe entsprechenden Absatz Westerbrak)

Wie für das ganze Kirchspiel, so stehen auch für Kirchbrak die Register von 1550, 1580, 1625 und 1650 zur Verfügung. Aus dem ersten Verzeichnis geht hervor, daß „Kerckbrack“ den Vettern Lorenz und Gottschalk von Grone gehörte. Das Hals- und Niedergericht steht dem Landesherrn zu, während die Hägergerichtsbarkeit von den von Grones ausgeübt wurde. Pastor war damals Anthonious Groninck. Wie weit sich während seiner Zeit die Besetzung des Herzogtums durch den Schmalkaldischen Bund (1542) auf den Glauben auswirkte, ist aus den vorhandenen Unterlagen nicht zu ersehen. Der damalige Herzog Heinrich der Jüngere hatte sich entschieden gegen die neue Lehre gestellt und nach seiner Wiederkehr aus der Gefangenschaft sein Land wieder zum Katholizismus zurückgeführt. 1580 wird zum ersten Male der Schutzheilige der Kirche, St. Michael, genannt. Pastor war der bereits erwähnte Caspar Hasenjäger. Als Grundherren sind, wie auch in den folgenden Registern, die von Grones angeführt. Die Mühle, die in allen vier Verzeichnissen erwähnt wird, ist die Untere Mühle, die Hägererbgut ist, und deren Hägerjunker die Herren von Groen sind. Die Obere Mühle wird in den Erbregistern nicht aufgeführt, da sie Privatbesitz der gesamten Familie von Grone und deshalb weder abgabe- noch dienstpflichtig an das Amt war. Die Anzahl der Hofstellen (ohne die von Groneschen Grundstücke) stieg in dem Zeitraum von 100 Jahren von 23 auf 33. Sie gliederten sich in Köter- und Kirchhöferstellen (später Brinksitzer genannt) auf. Das entscheidende Merkmal für die Köterstellen war nicht der Besitz an Land, sondern die Hofstelle. Der Anteil an bewirtschaftetem Land war sehr unterschiedlich, und die meisten Köter waren gezwungen, zur Sicherung ihrer Existenz ihren Betrieb zu erweitern, indem sie z.B. Pfarr- oder Kirchenland bewirtschafteten oder Land hinzupachteten. So werden in den Erbregistern von Kirchbrak des öfteren Bürger von Bodenwerder als Verpächter genannt. Im Laufe des 16. Jahrhunderts hat die Zahl der Kotstellen zugenommen. Ab 1650 ist sie bis heute konstant geblieben, nämlich 17 Großkot- und 5 Kleinkothöfe, da im Salzdahlumer Landtagsabschied von 1597 die Verhältnisse gesetzlich geregelt wurden.

Schule und Lehrer



Etwa ab der Mitte des 17. Jahrhunderts haben die Kirchbraker Kinder die Möglichkeit gehabt, Lesen und Schreiben zu lernen. Das geht aus einer Eintragung im Kirchenbuch hervor. 1667 wurde der Schulmeister Johann Birmann begraben. 25 Jahre hatte er der Kirche und der Schule treu gedient. Der damalige Pastor Sartorius fügte seiner Eintragung ins Sterberegister folgende Bemerkung an: „Und weil er so ein aufrichtiger Bruder und redlicher Mann gewesen, so fleißig in Schule und Kirche gearbeitet hat, also ist er nicht alleine von männiglicher, auch von den Kindern hertzlich beweinet und betrauret worden, denn es hat ihn die ganze Gemeinde mit einer solchen Comitat (Trauergefolge) zu Grabe begleitet, also niemahlen ist gesehen worden“.

Der Unterricht wurde vom Opfermann (Küster) ausgeübt. Seine Hauptaufgabe war zunächst, mit den Kindern Kirchenlieder zu singen und die zehn Gebote und den Katechismus auswendig lernen zu lassen. Nach der Schulordnung des Herzogs August von 1651 wird dann erst der Lese- und Schreibunterricht eingeführt worden sein. Das Rechnen war damals eine hohe Kunst, die nur an wenigen Dorfschulen geübt wurde. Der Unterricht war nur im Winter vorgesehen, denn im Sommer mußten die Kinder ab frühester Jugend mithelfen, den kärglichen Lebensunterhalt sicherzustellen. Der größte Teil der Bevölkerung brachte kein Verständnis für die fortschrittliche Schulordnung des Herzogs auf, so daß mit Geldstrafen der Schulbesuch erzwungen werden mußte. Die Ergebnisse des Unterrichts waren dann auch dementsprechend. Die Inspektionsberichte der geistlichen Schulaufsicht berichten von trostlosen Zuständen in den alten Schulen, die oft nur aus einem Raum bestanden, der zugleich Unterrichts-, Wohn- und Schlafraum war und manchmal auch noch das Klein- und Federvieh des Schulmeisters beherbergte. Von einem Nachfolger des Johann Birmann berichtet der Pastor, daß er noch am Tage vor seinem Tode (er war 70 Jahre alt) die Kinder von seinem Bette aus unterrichtete. Er war 48 Jahre Schulmeister in Kirchbrak und hatte laut Kirchenbuch „vier Frauens gehabt“.

Das alte Schulhaus stand unmittelbar östlich der Kirche auf dem Gelände des Schulhofes der Schule, die 1895 mit zwei Klassenräumen und zwei Lehrerwohnungen erbaut wurde. Sie reichte um 1950 schon nicht mehr aus. Die Kinderzahl war durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen und Bombengeschädigten auf beinahe 200 angewachsen, so daß Ende der 5ßer Jahre eine neue moderne Schule am Ortsausgang nach Westerbrak gebaut wurde. Dank der Aufgeschlossenheit der Gemeinde allen schulischen Belangen gegenüber vervollständigte eine Turnhalle und ein Sportplatz das Bild der Schule, die allen heutigen Anforderungen gerecht wird. Heut ist sie allerdings nur noch eine Grundschule, in der die ersten vier Schuljahre unterrichtet werden. Die Gemeinde hat mit Erfolg einen zähen Kampf um ihre Schule geführt, als vor ein paar Jahren die Auflösung drohte. Heute ist ihr Bestand gesichert und sie bildet einen nicht wegzudenkenden Bestandteil des kulturellen Lebens in Kirchbrak. Noch heute tauchen Namen wie Kantor Schaper und Lehrer Horn in der Stammtischrunde auf und manches Geschichtchen aus der Schulzeit ist in Erinnerung geblieben. Eine Begebenheit aus der „guten alten Zeit“ soll der lockere Abschluß dieses Kapitels sein: Um die Schulstube im Winter heizen zu können, war es alter Brauch, daß jedes Kind Brennholz, den sogenannten Schulsplitter, mit zur Schule bringen mußte. Das hatte aber mit der Zeit unerwartete Folgen. Der geplagte Schulmeister richtete unter Umgehung des Dienstweges ein untertänigstes Schreiben direkt an das Konsistorium in Wolfenbüttel, in dem er bittet, die „Schulsplitter“ durch Geld ablösen zu lassen, weil erstens viele Kinder aus angeblichem Holzmangel die Schule versäumen, zweitens andere auf dem Schulwege Holzlatten aus den Zäunen brechen, um dann endlich, im Besitz dieser widerrechtlich erworbenen Schulsplitter, sich drittens die Köpfe damit blutig schlagen.

Flachs und Leinen



Der Anbau von Flachs und seine Verarbeitung zu Leinen war im 18. Jahrhundert eine der wesentlichsten Erwerbsquellen in Kirchbrak. Beinahe in jedem Haus klapperte ein Webstuhl. Fast die ganze Familie konnte in diesen Erwerbszweig eingespannt werden. Noch heute erinnert die Flurbezeichnung Flachsrotten am Ortsausgang nach Breitenkamp an diese Zeit. Hier wurde der Flachs nach der Ernte in das Wasser des Baches eingelegt, nachdem die Samenkapseln auf dem Reppelbom entfernt worden waren.

Welche Bedeutung dieser Erwerbszweig um 1800 hatte, geht aus dem Büchlein „Der Braunschweigische Wasserdistrikt“ aus dem Jahre 1799 (Hüpke u. Sohn, Holzminden 1913) hervor, in dem Kirchbrak betreffend vermerkt wird: „Im Orte wird ein sehr starker Handel mit Leggeleinwand getrieben. Die Othmersche Handlung debitiert seit den letzten vier Jahren jährlich zwischen 100 000 und 120 000 Talern dieses inländischen Produktes und hat seit 1784 in keinem Jahr weniger als für 50 000 Taler umgesetzt.“

Die Bezeichnung Leggeleinwand rührt daher, daß das Leinen vor dem Verkauf über einen langen Tisch gelegt, geprüft und gemessen wurde. Eine Maßnahme, die die Qualitaet der Ware und zugleich die Absatzmöglichkeit für die Leineweber sichern sollte. Das Leggelinnen war zum größten Teil Hedelinnen, d.h. beim Weben wurde neben dem Flachsgarn ein Teil Hede (Flachsabfall) verwendet. Das ergab ein ziemlich grobes Leinen, das in erster Linie für den Export bestimmt war. Es wurde auf der Weser nach Bremen und von dort aus nach Übersee verschifft. Für eine Elle Hedelinnen bekam der Leineweber etwa einen Mariengroschen = 8 Pfg. Dafür konnte er sich vergleichsweise zwei Pfund Brot oder ein Pfund Rindfleisch oder sechs Eier kaufen. Für ein Paar Männerschuhe dagegen mußte er schon 20 Ellen Leinen herstellen.

Ein anderes eindrucksvolles Zeugnis der Leineweberei ist der sogenannte Ohtmersche Hof (Westerbraker Str. Nr. 4). Er hat eine über 500-jährige nachweisbare Geschichte (s. aus der Reihe „Gelbe Hefte“: Chronik eines Hofes aus Kirchbrak). Anstelle der ursprünglich dort ansässigen Gastwirtschaft erbaute 1798 Johann Friedrich Ohtmer ein stattliches Haus, das die bereits erwähnte Ohtmersche Leinenhandlung beherbergte. Schon der Vater des Erbauers, Johann Jacob Ohtmer, hatte mit dem Leinenhandel begonnen, der dann um 1790 seine Blütezeit erlebte. Aber bereits unter dem Sohn Johann Friedrich Ohtmer trat ein Stillstand und beginnender Rückgang der Leineweberei ein.. Das Vordringen der Baumwolle, die Mechanisierung des Spinnens und Webens der Verlust an Absatzgebieten waren hauptsächlich für den Rückgang verantwortlich. Der Handel mit lämdlichen Produkten und ein Fuhrgeschäft ersetzte immer mehr den Leinenhandel, und ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Niedergang schon sichtbar. Ein Schwiegersohn der Ohtmers, Albert Schindler aus Dohnsen, verursachte durch seine aufwendige und verschwenderische Lebensweise den endgültigen Bankrott. Als um 1900 die Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn ihren Betrieb aufnahm, ging auch das Fuhrgeschäft immer schlechter.

1905 wurde der Hof mit seinem einst so stattlichen Besitztum zwangsversteigert und von dem Mühlenpächter der Oberen Mühle in Kirchbrak, August Müller, erworben (s. Kapitel „Mühlen in Kirchbrak“). Das große stattliche Haus ist bis heute erhalten geblieben. Für die alten Kirchbraker ist es noch immer der Ohtmersche Hof, aber nur noch wenige wissen, was er einst für Kirchbrak bedeutete.

Die Braunschweigische Landesvermessung 1761



Die Vermessungsunterlagen, der Grundriß und die Beschreibung des Dorfes vermitteln ein gutes Bild von Kirchbrak um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Feldbeschreibung wurde von Ernst August Brauns angefertigt, die Vermessung von dem Feldmesser Georg Christian Geitel, einem Pastorensohn aus Hohe, ausgeführt. Beide zeichneten sich durch eine gute und gewissenhafte Arbeit aus. Vor der Vermessung gehörten zu Kirchbrak 799 Morgen, nach der Vermessung waren es 103 Morgen mehr. Davon entfielen auf die beiden adeligen Höfe 36 Morgen. (Einzelheiten zur Vermessung im Jahrbuch des Braunschweiger Geschichts-Vereins, 2. Folge, Bd. 9, Heft 1, Wolfenbüttel 1937).

In der Dorfbeschreibung heißt es:
Pfarre: alt Pfarrwitwenhaus: sehr alt Schule: ganz neu Mühlen: Obere Mühle gehört beiden adligen Höfen, Untere Mühle gehört von Grone, Westerbrak. Hirtenhaus: 2 Dorfhirten wohnen darin. Krüge: Oberer und Unterer Krug gehören beide von Grone, Westerbrak. Bier wird von Westerbrak geholt. Schäferei: Oberer Hof 150 Stück, Unterer Hof 250 Stück. Sie wird zum Schaden der Untertanen betrieben. Pfänder u. Nachtwächter: Der Pfänder heißt Johann Heinrich Ahlbrecht und muß sich einmieten. Nachtwächter ist der Schweinehirt. Jagd: gehört denen von Grone. Fischerei: in der Lenne Forellen, Schmerlen, Gründlinge, Aale und Krebse, gehören denen von Grone. Backhaus: neu Viehzucht und Weide: Da es an Angern fehlt und die adligen Schäfer übertreiben, ist leicht zu erachten, daß die Viehzucht nicht die beste ist. Es ist hierin das schlechteste Dorf des ganzen Amts. Ackerbau: Der Acker ist, außer was an den Bergen hängt, noch ziemlich. In den besten können 1 ½ Hinbten zur Einsaat hinlänglich sein, an den Bergen aber müssen sie dicke säen, folglich werden 2 Hinbten dazu gerechnet. Der Ertrag aber ist eins ums andere 8 Himbten. Baumaterialien: Das Holz bekommen sie aus den Groneschen Forsten, Bruchsteine von Negenborn oder dem Solling, womit sie auch die Häuser decken. Kalk und Gips brauchen sie nicht, sondern sie mauern mit Lehm, welcher in der Feldmark nicht fehlt.

Der Pastor Steinacker hat in einem Bericht 1780 noch einiges ergänzt: Gute Ernten bringen 6- bis 7-fältige Frucht, meistens aber nur 3- bis 5-fältige. Angebaut werden Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Bohnen, Erbsen, Wicken Leinsaat, Linsen. Gemäht wird mit einer Siehe und dem Mathaken, einer kurzen Sense, die nur mit der rechten Hand angefaßt wird, mit der linken wird mit dem Mathaken die Frucht weggezogen und zurechtgelegt. Der Pastor hält „dieß Ding vor sehr unbequem und schädlich“. Sicheln sind nicht üblich. An Unkraut zählt er Quecken, wilden Knoblauch, Dubanbock (Ackerschachtelhalm), Klatschrose, Huflattich und Winde auf. Der Herr von Grone will demnächst einen Versuch mit Esparsette und Luzerne machen. Im gesamten Kirchspiel gibt es 127 Pferde. Eine Linnenfuhre an die Weser mit vier Pferden wird mit einem Taler bezahlt. Im Dorf werden ungefähr 50 Ziegen gehalten, die zwar gute fette Milch geben, aber ständig Ursache für Streitigkeiten mit den Waldbesitzern sind.

Mühlen in Kirchbrak



Die beiden Mühlen werden schon früh urkundlich erwähnt. Die Untere oder auch Niedere Mühle ist Hägersches Erbgut der Familie von Grone gewesen. Sie wird erstmals 1371 als mindenscher Lehnsbesitz erwähnt. In den vier Wickenser Erbregistern wird sie als Mühle mit einem Grinde (Mahlgang) aufgeführt. Nach der Erbteilung von 1618 kam sie an das Gut von Grone, Westerbrak. Der Pächter mußte jährlich ein Pfund Geld als hägersche Urkunde bezahlen, den von Grones das Korn frei mahlen und mit Pferd und Wagen den Karrendienst verrichten. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war die Untere Mühle durch widerrechtlichen Verkauf des Müllers in den Besitz des Amtes Wickensen gekommen. 1694 kaufte sie der Schatzrat von Grone, Westerbrak, wieder zurück, bis sie dann 1740 von dem Legationsrat von Grone endgültig an den Justitiar Wichmann für 2 050 Taler verkauft wurde. Als 1914 der letzte Wichmann ohne männlichen Erben starb, übernahm sein Neffe Karl Bense die Mühle. Infolge wirtschaftlicher Schwierigkeiten wechselte sie 1929 noch zweimal den Besitzer (Schwekendiek und Arste, Eschershausen), bis dann 1932 Otto Schmieder die Mühle erwarb. Sein Schwiegersohn Karl Rentsch bewirtschaftet noch heute die weitgehend modern eingerichtete Mühle und betreibt dazu den Handel mit Getreide und Futtermitteln.

Die Obere Mühle wird zwischen 1304 und 1324 mehrfach als Lehnsmühle des Bistums Minden aufgeführt. Um 1350 taucht sie im Eversteinschen Lehnsregister auf und 1468, im Lehnsbrief des Grafen Spiegelberg, wird sie als „overste molen under dem tutberge“ (Tuchtberg) bezeichnet. Nach dem Wickenser Erbregister hatte sie zwei Mahlgänge und war allen drei Gütern, deren Eigentum sie war, zu freiem Mahlen und einigen Dienstleistungen verpflichtet. Das gab immer wieder Anlaß zu Streitigkeiten zwischen den Pächtern und den Gütern. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind im Gutsarchiv Westerbrak eine ganze Anzahl von Pachtverträgen und Inventarverzeichnissen vorhanden, die ein aufschlußreiches Bild des Mühlenwesens in dieser Zeit vermitteln.

In einem Pachtvertrag von 1682 werden die Leistungen des Mühlenpächters aufgeführt: Alljährlich 33 Malter (1 Malter = 6 Himbteb, 1 Himbten Roggen = 20 kg, also insgesamt etwa 80 Zentner) Zinskorn an Roggen, dazu für den Kohlgarten 3 Hühner, 3 Stiegen Eier (60 Stück), und 3 Körtlinge (Pfennigmünze), jede Woche, und zwar in der ersten für den Unteren Hof, in der zweiten für den Oberen Hof und in der dritten für Westerbrak, alles Korn, das zur Haushaltung und zum Brauen gebraucht wird, frei mahlen und schroten und, wenn es angesagt wird, abholen und wieder auf die Güter bringen. Dazu mußte er einen „Cörperlichen Ayd zu Gott“ schwören ( siehe Anlage).

Zu Beginn einer Verpachtung wurde eine Inventarisierung der Mühle durch Mühlensachverständige vorgenommen, die vorher einen „Wardierungseid“ ablegen mußten (siehe Anlage). 1702 stellte sich der Wert der Oberen Mühle auf 34 Taler, 23 Groschen und 4 Pfennige. In dieser Zeit wird die Obere Mühle als Fürstlich Nassauisches Lehen von der Grafschaft Coppenbrügge bezeichnet. Die Grafen von Spiegelberg, die 1468 die Lehnsurkunde für die von Grones ausstellten, starben 1557 aus und die Grafschaft fiel im Erbgang an die Häuser Lippe und Gleichen und dann an Nassau-Oranienburg. 1745 bestätigte der Herzog Carl von Braunschweig-Wolfenbüttel die von Groneschen Rechte an der Oberen Mühle.

1868/69 wird sie wegen Baufälligkeit durch den Kreisrichter von Grone, Kirchbrak, abgerissen und neu erbaut.

 

Eigentum des Unteren Hofes in Kirchbrak geworden. Unberührt davon war weiterhin das freie Mahlen und die vorher angeführten Dienstleistungen für das Gut in Westerbrak.

1849 pachtete der aus Breitenkamp stammende August Müller die Obere Mühle, und damit beginnt ein neuer Abschnitt in ihrer Geschichte. Sein Nachfolger als Pächter ist sein Neffe August Müller, der 1878 die Mühle übernahm. Unter seiner Leitung wurden mehrere Kreissägen angegliedert und die Holzbearbeitung aufgenommen. Eine Anzahl von Neubauten wurde errichtet, Gelände hinzugekauft und der Betrieb zielstrebig erweitert. Durch das Pachtverhältnis wurde aber ein noch großzügiger Ausbau sehr gehemmt. 1928 wurde dann aber das gesamte Mühlengrundstück käuflich erworben, so daß nun einer ständigen Weiterentwicklung nichts mehr im Wege stand

1942/43 wurde der Mahlbetrieb endgültig eingestellt, aber noch heute sagt man in Kirchbrak „er arbeitet auf der Mühle“, gemeint ist das moderne Holzwerk Müller, ein Unternehmen mit 250 Werksangehörigen. Die weithin bekannten „Müller-Tische“ haben dem Werk in aller Welt einen guten Ruf verschafft. Indem es einen großen Teil der Einwohner Kirchbraks Arbeit und Brot vermittelt, hat es wesentlich zu einem gesicherten Wohlstand der Gemeinde und ihrer Bewohner beigetragen.

Landwirtschaft und Industrie



Kirchbrak ist kein Bauerndorf und ist auch nie eines gewesen. Im Gegensatz zu der für die Landwirtschaft günstigen Ithbörde haben die Bodenverhältnisse und die Hanglagen im Lnnetal die Entwicklung großer Höfe verhindert. Kirchbrak war ein „Junkerdorf“, d.h. daß der weitaus größte Teil bäuerloichen Besitzes teils eigentümlich, teils lehnsrechtlich den Junkern, den Grundherren gehörte. So gab es mit Ausnahme der Adelshöfe keinen Ackerhof, sondern nur Groß- und Kleinkothöfe, Brinksitzer (Kirchhöfer) und Häuslinge in Kirchbrak. Sie versuchten, das Obereigentum des Landesfürsten völlig abzuschütteln und sich ein uneingeschränktes Privateigentum an ihren Gütern zu verschaffen. So waren die durch vielerlei Angaben und Dienstleistungen belasteten Bewohner der Junkerdörfer gezwungen, sich durch Nebenerwerbe ihre Existenz zu sichern. Dazu bot der Anbau von Flachs und dessen Verarbeitung eine gute Gelegenheit. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Steinindustrie in den zahlreichen Buntsandsteinbrüchen am Voglerrand. Sie verhalf einem Teil der Bevölkerung zu einem bescheidenen Wohlstand, der durch die etwa zur gleichen Zeit einsetzende Ablösung der Abgabe- und Dienstpflichten begünstigt wurde. Der entscheidende Faktor jedoch für das aufstrebende Kirchbrak war die Entstehung und Entwicklung der Holzwarenfabrik Müller & Co. Sie hat das heutige Bild Kirchbraks geprägt. Wie sich das Dorf jetzt dem Betrachter darstellt, soll im letzten Kapitel veranschaulicht werden.

Kirchbrak heute



Jedem Besucher Kirchbraks fällt das saubere und gepflegte Dorfbild auf. Alle Straßen sind in einem guten Zustand. Die große Ghrünfläche in der Dorfmitte, mit der alten Kirche im Hintergrund, läßt Wanderer und Autofahrer verweilen und oft auch das Innere des 1000-jährigen Gotteshauses besichtigen.Die Bewohner und eine aufgeschlossene Gemeindeverwaltung haben aus dem Junkerdorf des Mittelalters eine moderne Gemeinde geschaffen. Ein Sportplatz mit Flutlicht und leichtathletischen Anlagen, Tennisplätze, einer Turnhalle und einer geräumigen Grillhütte, bieten der Jugend und den Erwachsenen viele Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen. Ein Turn- und Sportverein, ein Männer- und Frauenchor, Ortsgruppen des Roten Kreuzes, des Reichsbundes und des Bundes der Vertriebenen fördern neben ihren speziellen Aufgaben das gesellige Leben in der Dorfgemeinschaft. Gelegenheit zu musikalischer und anderer musischer Betätigung bieten kirchliche Flötenkreise, musikalische Gottesdienste, Kunstausstellungen in der Schule, Bastelgruppen und die Werkskapelle der Holzwarenfabrik Müller.

Die Einwohnerzahl bewegt sich um 900, mit leicht steigender Tendenz. In zunehmendem Maße haben Pensionäre und Rentner Kirchbrak als Alterswohnsitz gewählt. Sicher ist die reizvolle Landschaft und die noch saubere Umwelt dafür entscheidend. Die Bautätigkeit war in den letzten Jahren sehr rege, sie hat aber jetzt infolge der allgemeinen Rezession nachgelassen. Die Gemeinde stellt jedoch in Hoffnung auf eine Wende, weiteres Bauland zur Verfügung. Nur noch vier rein landwirtschaftliche Betriebe, die sich weitgehend modernen Wirtschaftsformen angepaßt haben, existieren in Kirchbrak. Er Rest der Bevölkerung setzt sich aus einer ausgeglichenen Mischung von Beamten, Angestelten, Arbeitern und einer verhältnismäßig geringen Anzahl selbständiger Unternehmer zusammen. Im Wettbewerb des Landkreises Holzminden „Unser Dorf soll schöner werden“ wurde Kirchbrak 1980 mit dem 3. Preis ausgezeichnet. Eine Anerkennung, die die Bemühungen der Gemeinde um ein sauberes, ansprechendes Dorfbild und die Förderung des Gemeinschaftslebens und des kulturellen Niveaus belohnte.

Anlage zu „Mühlen in Kirchbrak

Wardierungseid der Mühlensachverständigen Meister Heinrich Temps, Müller zur Thran (Linse), Meister Johann Knüll, Müller zu Linse und Meister Heinrich Mönckemneyer,m Zimmermann in Bodenwerder bei der Aufstellung des Inventars der =Oberen Mühle in Kirchbrak am 6. Okt. 1702:

Eidesformel für die Herrschaftlichen und Privat-Müller auf dem Lande:


„Ihr sollet geloben und schwören einen Eid zu GOTT und auf sein heiliges Wort, daß dem Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn CARL , Herzoge zu Braunschweig und Lüneburg etc. unserem gnädigsten Fürsten und Herr, ihr wollet getreu, hold, gehorsam und gewärtig seyn, deroselben Nutzen und Bestes in alle Wege thun und schaffen, Schaden, Arges und Nachteil, so viel an euch ist, nach eurem Vermögen und Verstande kehren, wehren und abwenden helfen, vor allen Dingen aber die euch anvertraute Mühle in steter und guter Beobachtung haben, und wenn etwas an derselben baufällig werden sollte, dasselbe in der Zeit, und ehe der Schaden größer wird, gehörig ausbessern. Hiernächst die Mahl-Gäste bey rechter Zeit und in der Ordnung, wie sie kommen, befördern, über das gewöhnliche Mahlgels, oder Metze von demselben nichts fordern noch nehmen, auch einem jedem sein eingebrachtes Korn und Malz ohne den geringsten Mangel, Betrug, Verfälschung und Verwechslung wieder liefern, imgleichen, daß solches von anderen, oder selbst von euren Leuten, nicht entwendet werde, fleißig Acht haben, auch mit den Mahl-Gästen also bescheidentlich umgehen, damit dieselben über euch, und eure Leute, sich zu beschweren keine Ursache haben mögen, ferner auch jederzeit richtige Waage und gezeichnete Gewichte in der Mühle halten und gebrauchen, auch insbesondere nach Inhalt der Verordnung vom 20sten April 1747 keiner andern als der verordneten kupfernen, mit einem Stempel bezeichneten Metze euch bedienen, nicht weniger den Land-Comisarii oder den von ihnen abgeschickten Land-Reutern, wie auch andere von eurer Obrigkeit abgeschickten Visettoribus bey der Visitation der Mühle nach der Verordnung vom 23. Nov. 1744 nichts im Wege legen, endlich auch auf Feuer und Licht in der Mühle sorgfältig Achtung geben, und, falls in der Mühle Excesse, Saufgelage, Schlägerey , Scheltworte und andere Unrichtigkeiten und Unordnungen verfallen sollten, solches sofort, ohne Ansehen der Person, bey eurer Obrigkeit anmelden, auch übrigens ein ordentliches Leben führen und euch also redlich, getreu und gewissenhaft erhalten sollet und wollet wie einem aufrichtigen redlichen Müller in alle Wege eignet und gebühret.

So wahr euch GOTT helfe und sein heiliges Wort.“

( Hans Hölscher, Kirchbrak)


Info in Bildern
Wappen von Kirchbrak
Luftbild Kirchbrak
St. Michael zu Kirchbrak
Altar
© 2005 Karl-Heinz Engelke