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aktualisiert am 01.08.2005/KE

Abtei Rolduc

 

Ein kurzer historischer Überblick

Ein kurzer historischer Überblick

Im Jahre 1104 kam der junge Priester Ailbertus in das Land von Rode (Kerkrade / Herzogenrath).
Er hatte mit zwei Weggefährten das Stift in Doornik verlassen, weil er dort die Klosterzucht nicht streng genug fand.  

Von Adelbert, Graf von Saffenberg an der Ahr und Eigentümer der Burg von Herzogenrath, erhielt Ailbertus ein Stück Land. Hierauf baute er eine einfache Unterkunft und eine kleine Kapelle aus Holz.

Im Jahre 1106 schloss sich Embrico aus Mayschoss an der Ahr mit seiner Familie bei Ailbertus an. Er war ein wohlhabender Dienstman des Grafen von Saffenberg. Seine gesamten Besitztümer vermachte er der kleinen Gemeinschaft.

Ailbertus und Embrico begannen schon bald mit dem Bau einer Krypta und dem Anlegen der Fundamente für die zukünftige Klosterkirche. Die Krypta war 1108 fertig.


Sie umfasste den östlichen (vorderen) Teil der jetzigen Krypta. Ailbertus und Embrico bekamen Unstimmigkeiten über die Zielsetzungen der klösterlichen Gemeinschaft. Deshalb verließ Ailbertus 1111 seine Gründung. Er starb 1122 in Sechtem bei Bonn. 1895 wurden seine sterblichen Überreste nach Rolduc gebracht und in der von ihm und Embrico gebauten Krypta beigesetzt.


Augustiner Chorherren

Nach dem Weggang von Ailbertus wurde für die Klosterleitung ein gewisser Richer aus Rottenburch/Bayern gewonnen. Er wurde der erste Abt. Richer erstellte eine Klosterregel, die von einer Anzahl anderer Klöster übernommen werden sollte.
Die Gemeinschaft wurde ein Kloster von Regulärkanonikern von St. Augustinus oder Augustiner Chorherren, die sich anfangs einer sehr strengen Ordensregel unterwarfen. Im Mittelpunkt standen das Leben in einer Ordensgemeinschaft, das Chorgebet, der Verzicht auf Privateigentum, strenges Fasten und das Verrichten von körperlicher Arbeit. Die Abtei trug anfangs den Namen " Klosterrath ". Ab dem 18. Jahrhundert wurde meistens die französische Bezeichnung für Herzogenrath (Rode-le-Duc = Rolduc) verwandt.

 

Die Herzöge von Limburg

Im Jahre 1136 fiel die Vogtei über das Kloster an die Herzöge von Limburg. Es galt in jener Zeit als das Familienkloster der Herzöge. Einige von ihnen sind dort begraben; darunter Walram III, dessen Grab sich in dem Mittelgang der Kirche unter einer Kupferplatte befindet. Von anderen traten Familienangehörige oder Witwen in das zu Klosterrath gehörende Frauenkloster ein.

 

Blütezeit

Ab der Hälfte des Zwölften Jahrhunderts begann für die Abtei eine Blütezeit, die bis weit ins dreizehnte Jahrhundert dauern sollte.

Um 1250 verfügte die Abtei in ihrer Umgebung und in dem heutigen Deutschland und Belgien über etwa 3000 ha Grundbesitz. Die Anzahl ihrer Klosterinsassen stieg ständig.

Ihre Bibliotheek entwickelte sich zu einer der bedeutendsten ihrer Zeit. Mehrere Pfarreien erhielten durch sie Seelsorger.

Drei Klöster wurden von Klosterrade ausgehend gegründet.

(Marienthal im Ahrtal, Sinnich bei Aubel in der belgischen Voerstreek, Hooidonk bei Eindhoven). In Friesland wurden fünf Klöster unter der Autorität des Abtes von Klosterrade gestellt. Von diesen war die Abtei von Ludingakerke die wichtigste.

 

Verfall, Aufblühen und Auflösung

Im vierzehnten, fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert war die Abtei einer langen Periode von geistigem und materiellem Verfall ausgesetzt. 

Im Achtzigjährigen Krieg (1568 - 1648) litten die Gebäude sehr unter den Kriegseinflüssen. Erst um 1680 gelang es den Äbten van der Steghe und Bock - trotz heftigem Widerstand der meisten Kanoniker - eine Reform durchzuführen. Es kam wieder eine strenge Klosterregel, auf, deren strikte Einhaltung fortan genau geachtet wurde. Auch in materieller Hinsicht begann seit dieser Zeit eine neue Blüteperiode. Besonders im achtzehnten Jahrhundert
hatte die Abtei grosse Einnahmen durch das Ausbeuten von Kohlengruben. Um 1775 hatte die Abtei etwa 350 Bergarbeiter in Dienst. 1796 wurde die Abtei durch die Franzosen aufgelöst. Die Chorherren, die das Kloster damals noch zählte, zerstreuten
sich in alle Richtungen und die Besitztümer wurden beschlagnahmt.

Weitere Geschichte

Der Klosterkomplex stand danach 35 Jahre lang leer. Im Jahr 1831 errichtete das Bistum Lüttich in den Gebäuden ein Gymnasium für Jungen, die Priester werden wollten (niederl. Kleinseminarie). Nach der belgischen Trennung von den Niederlanden wich das Seminar 1843 nach Sint-Truiden aus.

Rolduc wurde danach Internatsgymnasium und Realschule für männliche Jugendliche aus dem mehr oder weniger begüterten niederländischen Bürgertum.

Von 1946 bis 1967 war es wieder ausschließlich "Kleinseminarie", jetzt unter dem Bistum Roermond.
Im Jahr 1971 wurde das Internat geschlossen. Seitdem beherbergt die ehemalige Abtei ein Kongresszentrum, ein Priesterseminar und einige andere kirchliche Einrichtungen, ein Gymnasium - und damit die Weiterführung einer über 875 Jahre dauernden Unterrichtstradition.

DIE GEBÄUDE

Krypta und Kirche


Die Krypta und der später darüber gebaute Chor zeigen im Grundriss eine Kleeblattform. Der meist westlich gelegene Teil der Krypta  - "der Stiel des Kleeblattes" - wurde später gebaut.

Als die Krypta 1108 geweiht wurde, war sie demnach ein Stück kürzer als heute.
Krypta und Kloster wurden der Jungfrau Maria und dem Erzengel Gabriel gewidmet. Daher sind an vielen Stellen in dem Gebäude noch immer Darstellungen von Mariä Verkündigung zu sehen.

Es fällt auf, dass jede Säule in der Krypta unterschiedlich ist. Auch wenn die handwerkliche Ausführung noch nicht sehr aufwendig ist, so ist das Bildhauerwerk des zwölften Jahrhunderts an der Säulenbasis und den Kapitellen doch sehr interessant.

Im Jahr 1130 wurde über der Krypta der Chor gebaut. Acht Jahre später wurden die Querhausarme mit der Vierung errichtet so dass das durchgehende Querschiff vor dem Chor gleichsam einen langen hohen Saal bildete. Dieser war in drei Joche aufgeteilt. (Ein Joch ist ein Gewölbeabschnitt, der durch Gurte und Stützen von den benachbarten Gewölbeabschnitten abgegrenzt ist.)

Im Jahre 1143 wurde die Kirche nach Westen um drei Joche erweitert. In dem    ursprünglichen Konzept sollten and jeder Seite der Joche zwei kleinere Gewölbeabschnitte in den Seitenschiffen gebaut werden. Während des Bauens wurde das Konzept verändert.

Beim Errichten des zweiten und später auch des vierten Jochs hat man in den Seitenschiffen keine Gewölbeabschnitte integriert, sondern die Seitenschiffe als ein Ganzes hochgezogen. Dadurch entstanden die sogenannten Scheinquerhäuser (Pseudo-transepte).

Von außen gesehen könnte man meinen, dass sich neben dem zweiten und vierten Joch des Mittelschiffes kleine Querschiffe befänden. Das ist jedoch nicht so. Die Pseudotransepten treten nicht aus den Grundrisslinien des Mittelschiffes heraus.

Die Scheinquerhäuser wurden nicht aus ästhetischen Gründen errichtet; sie dienten der besseren Statik der Gewölbe und ließen mehr Licht in die Kirche. Dieselbe Bauweise wurde bei der etwas älteren und mittlerweile abgebrochene Marienkirche in Utrecht und später bei der Liebfrauenkirche in Maastricht angewandt.

Die drei Joche waren 1143 fertig. Hinter dem dritten wurde eine schwere Abschlussmauer gesetzt. Dieses westliche Joch hatte noch keine Gewölbe. Das ursprünglich mit Stroh bedeckte Dach wurde 1153 durch ein Ziegeldach ersetzt. Im  späten zwölften Jahrhundert - wann ist nicht genau bekannt - wurden das viere Joch (wieder mit Schein-
querschiffen) und das Westwerk gebaut. Ursprünglich bestand das Westwerk aus einem Mittelteil (heute Standort Turm) und zwei niedrigeren Seitenflügeln. Das Mittelteil endete damals an dem Gesims unter dem gotischen Turmfenster. Der Vorbau der Kirche war demnach niedriger und gedrungener als heutzutage.



Im Jahr 1209 war die Kirche fertig und wurde eingeweiht.
Der Chor wurde gleichzeitig über dieselbe Länge ausgebaut und erhöht. Seit dieser Zeit teilt der erhöhte Chor das ehemals durch-gehende Querschiff in zwei Teile. Im sechzehnten Jahrhundert wurden der Romanische Charakter der Krypta und des Chors nach dem Zeitgeschmack dem gotischen Stil
angepasst. Die rechte und linke Apsis der Krypta und des Chors wurden abgebrochen und die Rundbögen der Chorfenster durch Spitzbögen ersetzt.

Etwa in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts erhielt die Krypta Stuckverzierungen in Rokokostil. Beginn des siebzehnten Jahrhunderts wurde das Chorgestühl vorne in den Chor aufgestellt. Es ist mit einfachen Holzschnitzereien verziert.

1624 wurde auf dem Westwerk ein Turm errichtet. 1678 ersetzte man die steinerne Turmspitze durch einen beschieferten Dachstuhl.

Im Jahr 1853 erhielt der junge Baumeister Pierre Cuypers den Auftrag, die Krypta zu restaurieren und sie innen soweit wie möglich in dem romanischen Stil wieder herzustellen. Auf der Basis der wiedergefundenen ursprünglichen Fundamente wurde die Krypta so gut wie möglich rekonstruiert. Auch erfolgten erste Restaurationsarbeiten an der Kirche.
1893 wurde an der Restauration der Kirche und u.a. an der Rekonstruktion des romanischen Dreikonchenchors (Kleeblattform) weitergearbeitet. Die noch vorhandenen Wand- und Deckenmalereien wurden zwischen 1894 und 1902 vom dem Aachener Kanoniker Goebbels aufgebracht. Die Grabsteine der Äbte, die ihre Gruften in den Seitenschiffen abdeckten, wurden vertikal ausserhalb der Kirche und gegen die Mauern der Seitenschiffe aufgestellt.

Übrige Gebäude


Die Wohnung des Abtes, das heutige Vorderhaus mit seinem massigen Eckturm, wurde zwischen 1671 und 1676 von dem Abt van der Steghe im Stil der Maaslandrenaissance gebaut.

Dieser Gebäudeteil wirkt von außen und innen sehr imposant und spiegelt die Bedeutung der Äbte wider, die seit van der Steghe das Recht hatten, eine Mitra zu tragen.

Der Innenhof, ein Garten innerhalb des Kreuzgangs an der Nordseite der Kirche gelegen, lässt nicht viel von seiner ursprünglichen weniger tiefen Form erkennen. Der Westflügel ist noch annähernd im Originalzustand erhalten, während die anderen Gebäudetrakte im Laufe der Zeit baulich verändert und aufgestockt wurden.


Der Ostflügel, an der Seite der ehemaligen " Cour " (Schulhof) wurde zwischen 1752 en 1754 von dem Aachener Baumeister Moretti erbaut.

In dem darin untergebrachten prächtigen Bibliotheksaal sind Stuckarbeiten im Stil des ausgehenden achtzehnten Jahrhundert zu sehen.

 

Rechts vom großen Doppeleingangstor nach Rolduc befindet sich das ehemalige Wirtschaftsgebäude (kloosterhoeve) aus dem späten achtzehnten Jahrhundert. Es war lange in Privatbesitz. 1980 wurde das Gebäude von Rolduc zurückgekauft und restauriert.

 

Zwischen 1971 und 1990 wurden die Gebäude von Rolduc, darunter die Kirche und die Krypta mit ihren Wandmalereien, vollständig restauriert.

 

 

© 2005 Karl-Heinz Engelke